Kommunale Verkehrsflächen stehen zunehmend unter erheblichen Belastungen. Besonders Bushaltestellen, stark frequentierte Einmündungsbereiche oder Zufahrten zu Gewerbestandorten zählen zu den infrastrukturell anspruchsvollsten Bereichen im Straßenraum. Täglich wirken hier hohe dynamische Lasten durch Busse, Schwerlastverkehr sowie intensive Brems- und Beschleunigungsvorgänge. Klassische Bauweisen mit Asphalt oder Ortbeton stoßen unter diesen Bedingungen häufig an ihre Grenzen. Neben strukturellen Schäden durch Verformungen oder Schubkräfte führen lange Bauzeiten und witterungsabhängige Prozesse immer wieder zu erheblichen Einschränkungen im Verkehrsfluss.
Vor diesem Hintergrund gewinnen modulare Bauweisen aus industriell gefertigten Betonfertigteilen zunehmend an Bedeutung. Ein besonders praxisnahes Beispiel ist unser Verkehrsflächensystem DRIVE STOP (auch bekannt als RPS), das von den Ingenieuren Niklas Peppler und Fabian Tripkewitz entwickelt wurde. Wir haben das Team bei der Herstellung der Betonfertigteilplatten sowie bei Versuchsreihen begleitet und die Umsetzung im Pilotprojekt in Gießen unterstützt – ein wichtiger Schritt, um das System erfolgreich in stark beanspruchten Verkehrsflächen einzusetzen.
In einem Interview berichtet Hendryk Gaidies (Bauingenieur) von der Stadt Gießen über die Erfahrungen mit dem System. Die Stadt testete das System an zwei stark befahrenen Standorten mit hoher Verkehrsbelastung und komplexer Verkehrsführung – dazu mehr im folgenden Artikel.
Bushaltestellen gehören zu den am stärksten beanspruchten Flächen im innerstädtischen Straßenraum. Die Belastung entsteht nicht nur durch das hohe Verkehrsaufkommen, sondern vor allem durch spezifische mechanische Beanspruchungen: hohe Punktlasten durch Busse und Lkw, wiederkehrende Brems- und Beschleunigungsvorgänge sowie horizontale Schubkräfte beim Ein- und Ausfahren. Hinzu kommt eine oft unterschätzte Beanspruchung durch thermische Einwirkungen: Gerade bei modernen Niederflurbussen entsteht durch Motorabwärme im Stand eine zusätzliche Erwärmung der Fahrbahnoberfläche, die insbesondere Asphaltkonstruktionen langfristig schädigen kann.
Asphalt neigt in solchen Bereichen zu Spurrinnenbildung und Verformungen. Ortbeton bietet zwar eine hohe Tragfähigkeit, ist jedoch in der Herstellung stark witterungsabhängig und erfordert längere Aushärtungszeiten. Modulare Fertigteilplatten stellen hier eine Alternative dar, da sie hohe Tragfähigkeit mit planbaren und deutlich kürzeren Bauprozessen verbinden.
DRIVE STOP besteht aus industriell gefertigten Betonfertigteilplatten, die speziell für hochbelastete Verkehrsbereiche entwickelt wurden. Durch die Produktion im Werk sind Materialqualität, Maßhaltigkeit und Oberflächenstruktur konstant auf hohem Niveau. „Die Fläche ist direkt nach Einbau belastbar, und durch die industrielle Fertigung ist die Qualität verlässlich – ganz ohne die Risiken, die bei Ortbeton durch Regen oder falsche Schnittzeitpunkte entstehen können“, so Gaidies.
Dadurch werden Bauzeiten deutlich verkürzt und Risiken durch Wetter, falsche Schnittzeitpunkte oder andere Baustellenbedingungen minimiert. Das System kann von einem kleinen Team aus vier bis fünf Fachkräften mit Bagger oder Lkw-Ladekran verlegt werden – ein Autokran ist nicht erforderlich. Gleichzeitig lässt sich das System in begrenztem Maß rückbauen und wiederverwenden, was Wartung und Umgestaltung der Verkehrsflächen erleichtert.
Die Praxiserprobung erfolgte im Rahmen eines Pilotprojekts der Stadt Gießen. Wie Hendryk Gaidies berichtet, wurde das System gezielt für zwei anspruchsvolle Standorte ausgewählt. Ausschlaggebend war unter anderem der Bedarf, Bauzeiten in sensiblen Verkehrsbereichen deutlich zu reduzieren.
Ein Standort befindet sich an einer stark frequentierten Einfahrtsstraße mit komplexer Verkehrsführung, Engstellensignalisierung und direkter Anbindung an einen Supermarkt. Hier war es besonders wichtig, die Sperrzeiten so kurz wie möglich zu halten. Gleichzeitig stellte die Kombination aus hohem Verkehrsaufkommen eine erhebliche Belastung für die Verkehrsfläche dar.
Die Teststrecken sind insgesamt hoch frequentiert: Rund 5400 Fahrzeuge täglich, darunter etwa 590 Fahrzeuge im Schwerlastverkehr sowie zusätzlich über 100 Busse pro Tag. Gerade an Fahrbahnhaltestellen, über die der gesamte Verkehr geführt wird, entstehen besonders hohe Beanspruchungen – ein realistisches Szenario für den Praxistest des Systems.
Ein wichtiger Faktor bei der Entscheidungsfindung war laut Gaidies auch die enge Abstimmung im Vorfeld. Dazu gehörten Gespräche mit den Entwicklern und die Zusammenarbeit mit uns als Hersteller. Auch die Besichtigung einer Probefläche im Werk spielte eine Rolle, bei der das System unter hohen Lasten – unter anderem durch schwere Lkw und Gabelstapler – demonstriert wurde.
Im Bauablauf bestätigten sich die erwarteten Vorteile: Die eigentliche Montage der Platten konnte innerhalb eines Arbeitstags abgeschlossen werden. Die Fläche war unmittelbar danach wieder belastbar. Dadurch konnten Verkehrsbeeinträchtigungen deutlich reduziert werden.
Auch logistisch erwies sich das System als vorteilhaft. Der Einbau erfolgte ohne großen Geräteaufwand und mit einem vergleichsweise kleinen Team. Der Personalbedarf ist zwar ähnlich wie bei klassischen Bauweisen, jedoch verkürzt sich die Einsatzdauer deutlich, wodurch sich insgesamt Einsparungen ergeben – insbesondere auch bei Verkehrsführung und Baustellenbetrieb.
Ein weiterer Vorteil liegt in der hohen Prozesssicherheit: Während bei Ortbeton zahlreiche Faktoren wie Witterung oder Timing eine Rolle spielen, sorgt die industrielle Fertigung für verlässliche Rahmenbedingungen.
Insgesamt fällt das Fazit der Stadt Gießen laut Hendryk Gaidies positiv aus. Die bisherigen Erfahrungen mit dem System seien überzeugend, und auch die Zusammenarbeit mit stelcon sei im Rahmen des Pilotprojekts sehr konstruktiv verlaufen. Weitere Einsätze in ähnlichen Anwendungsbereichen könne man sich daher durchaus vorstellen. Besonders stark belastete Knotenpunkte oder Bushaltestellen könnten künftig weitere geeignete Einsatzorte darstellen – vorausgesetzt, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben langfristig attraktiv.
Durch den Einsatz des modularen Systems lassen sich Baustellenzeiten deutlich reduzieren, was Kosten für Verkehrsführung, Absperrungen oder temporäre Ampeln senkt. Gleichzeitig werden typische Fehlerquellen des Ortbetonbaus minimiert.
Die Kombination aus kurzer Bauzeit, sofortiger Belastbarkeit und industrieller Vorfertigung führt zu einer hohen Prozesssicherheit und erleichtert die Organisation komplexer Baumaßnahmen im innerstädtischen Raum.
Damit das System optimal funktioniert, müssen Bordsteine exakt ausgerichtet und die Tragschicht sorgfältig vorbereitet werden. Komplexe Einbausituationen, wie zahlreiche Schächte, Hydranten oder wechselnde Querneigungen, erfordern frühzeitige Abstimmung zwischen Planungsbüro, Bauunternehmen und stelcon.
Die Erfahrungen aus Gießen bestätigen: modulare Betonfertigteilsysteme wie DRIVE STOP eignen sich hervorragend für stark beanspruchte Verkehrsflächen. Sie bieten hohe Tragfähigkeit, verkürzte Bauzeiten, Prozesssicherheit und Flexibilität.
„Wir sind grundsätzlich überzeugt vom System, sehen positive Erfahrungen und können uns gut vorstellen, es auch in stark belasteten Knotenpunkten zu testen“, ergänzt Hendryk Gaidies.
Die Entwicklung durch Niklas Peppler und Fabian Tripkewitz und unsere Begleitung bei der Umsetzung zeigen, wie innovative Fertigteilkonzepte in der Praxis erfolgreich realisiert werden können. Die Stadt Gießen ist zufrieden, weitere Einsätze sind gut vorstellbar und das System wird grundsätzlich weiterempfohlen – auch mit Blick auf zukünftige stark belastete Knotenpunkte.
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