Der zunehmende Flächenbedarf in Städten stellt die Planung von Parkhäusern vor wachsende Herausforderungen. Grundstücksflächen sind begrenzt, gleichzeitig müssen Parkierungsanlagen dauerhaft hohe Verkehrsaufkommen aufnehmen und sich funktional wie architektonisch in die bestehende Bebauung einfügen. Besonders anspruchsvoll wird die Konstruktion, wenn die Stell- und Verkehrsflächen auf dem Dach eines Gebäudes liegen. Hier treffen Anforderungen aus Tragwerk, Dachabdichtung, Entwässerung, Wärmeschutz und Verkehr unmittelbar aufeinander. Das Parkhausprojekt in Dresden zeigt, wie sich diese Anforderungen mit einem vorgefertigten Parkdachsystem umsetzen lassen. Zum Einsatz kommt das stelcon® ZEHN95 Parkdachsystem, das aus Betonfertigteilplatten, Stelzlagern und einer patentierten Vollverkettung besteht. Die Fahrbahn wird dabei als eigenständige Konstruktion oberhalb des eigentlichen Dachaufbaus ausgeführt.
Eine Parkfläche auf einem Dach unterscheidet sich konstruktiv deutlich von einer ebenerdigen Verkehrsfläche. Während dort der Untergrund unmittelbar für die Aufnahme und Weiterleitung der Verkehrslasten ausgelegt werden kann, müssen bei einem Parkdach mehrere Funktionen innerhalb eines begrenzten Schichtenaufbaus miteinander verbunden werden. Die tragende Betondecke bildet die Grundlage. Darauf liegt die Abdichtung, die den Baukörper vor Feuchtigkeit schützt. Je nach bauphysikalischer Situation kann darauf eine XPS-Wärmedämmung angeordnet werden. Die befahrbare Oberfläche befindet sich wiederum oberhalb dieser Schichten und muss so ausgebildet sein, dass die auftretenden Verkehrslasten sicher aufgenommen werden, ohne die darunterliegenden Funktionen zu beeinträchtigen. Beim ZEHN95 übernehmen vorgefertigte Betonplatten diese Aufgabe. Sie werden nicht unmittelbar auf der Dachkonstruktion verlegt, sondern über Stelzlager aufgelagert. Dadurch entsteht eine klare Trennung zwischen der Verkehrsfläche und den darunterliegenden Schichten.
Die für das Parkdach eingesetzten Betonfertigteilplatten bestehen aus Beton der Festigkeitsklasse C45/55. Das Regelmaß beträgt 1095 × 1095 mm bei einer Plattendicke von 100 mm. Für unterschiedliche konstruktive Anforderungen stehen auch Ausführungen mit 80 beziehungsweise 120 mm Dicke zur Verfügung. Bei einer Plattendicke von 100 mm liegt das Flächengewicht bei rund 250 kg/m². Die Platten werden auf 15 mm hohen Stelzlagern aus PUR-gebundenen SBR/NBR-Fasern verlegt. Die definierten Abstandhalter zwischen den Elementen sorgen für ein gleichmäßiges Fugenbild und sind zugleich Bestandteil der patentierten Vollverkettung. Durch diese Verbindung entsteht kein loseverlegter Belag aus einzelnen Betonplatten. Die Elemente werden zu einem zusammenhängenden Plattenverbund verbunden. Das ist insbesondere für die Nutzung als Verkehrsfläche relevant, da auf einem Parkdach nicht nur vertikale Lasten aus dem Fahrzeuggewicht auftreten. Beim Anfahren, Bremsen und Rangieren wirken zusätzlich horizontale Kräfte auf die Fahrbahn. Die Vollverkettung hält die Platten dabei in ihrer vorgesehenen Lage.
Für Pkw ist das Parkdachsystem für ein zulässiges Gesamtgewicht von bis zu 3,06t (pro Fahrzeug) ausgelegt. Die statische Bemessung des gesamten Bauwerks erfolgt unabhängig davon projektbezogen und muss die jeweiligen Einwirkungen sowie die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion berücksichtigen. Für die Dauerhaftigkeit einer solchen Verkehrsfläche ist neben der reinen Festigkeit der Betonplatten auch deren konstruktive Einbindung entscheidend. Die Fahrbahn wird regelmäßig durch Fahrzeuge belastet und dabei unterschiedlichen Bewegungsabläufen ausgesetzt. Mit einer mittleren Aufbauhöhe von 115 mm einschließlich Stelzlager lässt sich der Fahrbahnbelag zudem vergleichsweise kompakt ausführen. Gerade bei Parkdächern kann dies relevant sein, wenn die vorhandene Konstruktion nur begrenzte Aufbauhöhen zulässt.
Eine weitere Besonderheit des Aufbaus liegt in der Entwässerung. Die Betonplatten werden mit offenen Fugen verlegt, sodass Niederschlagswasser nicht auf der Oberfläche zurückgehalten wird, sondern unmittelbar in den darunterliegenden Aufbau gelangen kann. Die Wasserführung findet damit unterhalb des Fahrbahnbelags statt. Dort wird das Wasser über die Abdichtungsebene abgeführt. Die Verkehrsfläche selbst muss folglich nicht als geschlossene wasserführende Schicht ausgebildet werden. Der diffusionsoffene Aufbau ermöglicht auch eine gefällelose Ausführung. Das kann bei Dachflächen von Vorteil sein, bei denen sich aus der vorhandenen Tragkonstruktion nur geringe Möglichkeiten zur Ausbildung eines Oberflächengefälles ergeben. Für die Planung bedeutet das, dass die Entwässerung nicht isoliert betrachtet werden kann. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel von Fugen, Abdichtung und den vorgesehenen Entwässerungswegen innerhalb des gesamten Dachaufbaus.
Die Abdichtung befindet sich unterhalb der befahrbaren Fläche und gehört zur bauseitigen Leistung. Vorgesehen ist eine doppellagige, rissüberbrückende Verbundabdichtung, die den darunterliegenden Baukörper vor eindringendem Wasser schützt. Sofern aus bauphysikalischer Sicht eine Wärmedämmung erforderlich ist, kann das Parkdach als Umkehrdach ausgeführt werden. Die XPS-Dämmung liegt dabei oberhalb der Abdichtung. Die Fahrbahn wird über die Stelzlager auf diesem Aufbau aufgelagert. Dadurch entsteht eine klar getrennte Schichtenfolge, bei der jede Ebene eine definierte Aufgabe übernimmt. Die tragende Konstruktion nimmt die statischen Lasten auf, die Abdichtung übernimmt den Feuchteschutz, die XPS-Dämmung den Wärmeschutz und die Betonplatten die Funktion der befahrbaren Oberfläche. Diese Trennung ist auch für die Instandhaltung interessant. Da der Fahrbahnbelag nicht unmittelbar mit der Abdichtung verbunden ist, können die unterschiedlichen Ebenen unabhängig voneinander bearbeitet werden.
Neben der technischen Ausführung spielt bei einem Parkhaus auch der Bauablauf eine wichtige Rolle. Die Betonplatten werden industriell vorgefertigt und kommen als fertige Bauteile auf die Baustelle. Die eigentliche Fahrbahn entsteht dort durch das Verlegen, Ausrichten und Verbinden der Elemente. Im Vergleich zu Bauweisen, bei denen der Fahrbahnbelag vollständig vor Ort hergestellt wird, reduziert sich dadurch der Anteil der Baustellenarbeiten. Für die Montage sind keine langen Aushärtungszeiten eines Ortbetonbelags erforderlich. Gleichzeitig ist der Einbau weniger von witterungsbedingten Einschränkungen abhängig und verursacht im Bereich der Fahrbahnherstellung vergleichsweise wenig Lärm und Staub. Gerade bei einem innerstädtischen Projekt wie in Dresden erleichtert die Vorfertigung die Koordination des Bauablaufs. Materialmengen, Anlieferungen und Montage können entsprechend dem Baufortschritt geplant werden.
Im Dresdner Parkhaus wurden rund 3.200 m² Parkdachfläche ausgeführt. Bei einem Flächengewicht von etwa 250 kg/m² entspricht dies rund 800 Tonnen verlegtem Fahrbahnbelag. Die Montage war für einen Zeitraum von etwa sechs Wochen vorgesehen. Das Verlege-Team hat dabei eine tägliche Flächenleistung von mehr als 100 m² erreicht.Die kurze Montagezeit ist dabei nicht allein eine Frage der Geschwindigkeit auf der Baustelle. Sie ist auch das Ergebnis der vorgelagerten Fertigung. Die einzelnen Elemente werden bereits vor ihrem Einbau entsprechend dem vorgesehenen Bauablauf hergestellt und anschließend auf der Baustelle zu einer durchgehenden Verkehrsfläche zusammengefügt.
Das Projekt in Dresden verdeutlicht, wie eng bei einem Parkdach die einzelnen planerischen Anforderungen miteinander verbunden sind. Die Fahrbahn muss den täglichen Verkehr aufnehmen, gleichzeitig muss der Dachaufbau dauerhaft gegen Feuchtigkeit geschützt und – sofern erforderlich – bauphysikalisch gedämmt werden. Hinzu kommen Anforderungen an Aufbauhöhe, Entwässerung, Montage und spätere Instandhaltung. Mit dem stelcon® ZEHN95 Parkdachsystem wird die befahrbare Fläche als vorgefertigte Konstruktion oberhalb dieser Ebenen ausgeführt. Die Betonfertigteilplatten bilden einen verketteten Fahrbahnverbund, während Abdichtung und Wärmedämmung unabhängig davon in den Dachaufbau integriert werden können. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglicht zudem eine zügige Montage auf der Baustelle. Damit bietet der Systemaufbau eine Lösung für Parkdächer, bei denen nicht allein die Belastbarkeit der Oberfläche, sondern das Zusammenspiel der gesamten Konstruktion betrachtet werden muss.
Sie planen ein Parkhaus, eine Parkdachfläche oder die Umnutzung eines Flachdachs? Unsere Experten beraten Sie zu den technischen Möglichkeiten des stelcon® ZEHN95 und zur projektspezifischen Ausführung.
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